Eröffnungsbilanzkonto Definition

Das Eröffnungsbilanzkonto (kurz: EBK) verwendet ein Buchhalter, um die Schlusswerte der Vorjahresbilanz in das laufende Geschäftsjahr vorzutragen. Das Ergebnis dieses Prozesses ist die Eröffnungsbilanz. Weil die Werte der Eröffnungsbilanz mit den Werten der Schlussbilanz übereinstimmen, nutzt das Unternehmen die Eröffnungsbilanz als Überprüfung der Schlussbilanz.

Eröffnungsbilanzkonto Aufbau

Eröffnungsbilanzkonto
Eröffnungsbilanzkonto

Zum Anfang des Geschäftsjahres erhält der Buchhalter den Auftrag, die Bestandskonten in die Buchhaltung des neuen Geschäftsjahres vorzutragen. Um diese Aufgabe erledigen zu können, benötigt er ein Gegenkonto. Hierzu muss der Buchhalter ein Eröffnungsbilanzkonto erstellen. Das Eröffnungsbilanzkonto dient als Gegenkonto für alle Bestandskonten der Aktivseite und der Passivseite.

Da das Eröffnungsbilanzkonto mit den Konten der laufenden Buchhaltungen identisch ist, gilt auch für das EBK die allgemeine Buchungsregel: Soll an Haben.

Da die Eröffnungsbilanzwerte (EB-Werte) der Aktivseite im Soll stehen, erfolgt die Gegenbuchung im Haben. Bei den Eröffnungsbilanzbuchungen für die Konten der Passivseite verhält es sich genau umgekehrt. Die EB-Werte stehen im Haben des Bestandskontos (z.B Darlehen). Die Gegenbuchung erfolgt auf der Sollseite des Eröffnungsbilanzkontos.

Beispiel 1: Eröffnungsbuchungen für Sachanlagevermögen und Rückstellungen

Zu Beginn des neuen Geschäftsjahres trägt der Buchhalter die EB-Werte der Bilanz auf die Eröffnungsbilanzkonten vor. Auf dem Konto »Pkw« (aktives Bestandskonto) trägt er den Schlussbilanzwert des Vorjahres in Höhe von 20.000 Euro vor. Der dazugehörige Buchungssatz lautet:

Pkw 20.000 Euro an EBK 20.000 Euro

Im Vorjahr hat das Unternehmen eine Gewerbesteuerrückstellung in Höhe von 5.000 Euro gebildet. Die zu zahlende Gewerbesteuer wird im laufenden Geschäftsjahr fällig. Rückstellungen weist das Unternehmen auf der Passivseite der Bilanz. Die Buchung des EB-Werts für die Gewerbesteuerrückstellung erfolgt deshalb auf der Habenseite.

Eröffnungsbilanzkonto 5.000 Euro an Gewerbesteuerrückstellung 5.000 Euro

Eröffnungsbilanzkonto und Eröffnungsbilanz

Mit dem Vortragen der EB-Werte in das neue Geschäftsjahr erstellt der Buchhalter die Eröffnungsbilanz für den laufenden Zeitraum. Da alle Werte der Eröffnungsbilanz umgekehrt auf dem Eröffnungsbilanzkonto ausgewiesen werden, kann das Eröffnungsbilanzkonto als Spiegelbild der Eröffnungsbilanz angesehen werden.

Eröffnungsbilanzkonto Beispiel

Die Vorjahresbilanz der Hausbau GmbH hatte die folgenden Werte:

Anlagevermögen

  • Grundbesitz: 100.000 Euro
  • Gebäude 500.000 Euro
  • Fuhrpark: 80.000 Euro
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung: 20.000 Euro

Umlaufvermögen

  • Vorräte: 45.000 Euro
  • Forderungen: 20.500 Euro
  • Kasse: 500 Euro
  • Bank 2.000 Euro
  • Bilanzsumme Aktiva: 768.000 Euro

Eigenkapital

  • Stammkapital: 100.000 Euro
  • Jahresüberschuss: 68.000 Euro
  • Gewinnvortrag: 300.000 Euro

Fremdkapital

  • Verbindlichkeiten: 295.000 Euro
  • Rückstellungen: 5.000 Euro
  • Bilanzsumme Passiva: 768.000 Euro

Um die Bilanzwerte in das Folgejahr zu übernehmen, erstellt der Buchhalter ein Eröffnungsbilanzkonto und nimmt die folgenden Eröffnungsbilanzbuchhungen für die Aktiva vor:

  • Grundbesitz 100.000 Euro an EBK 100.000 Euro
  • Gebäude 500.000 Euro an EBK 500.000 Euro
  • Fuhrpark 80.000 Euro an EBK 80.000 Euro
  • BGA 20.000 Euro an EBK 20.000 Euro
  • Vorräte 45.000 Euro an EBK 45.000 Euro
  • Forderungen 20.500 Euro an EBK 20.500 Euro
  • Kasse 500 Euro an EBK 500 Euro
  • Bank 2.000 Euro an EBK 2.000 Euro

Für die Passivseite der Bilanz erstellt der Buchhalter die folgenden Eröffnungsbilanzbuchungen:

  • EBK 100.000 Euro an Stammkapital 100.000 Euro
  • Eröffnungsbilanzkonto 68.000 Euro an Gewinnvortrag (neu) 68.000 Euro
  • EBK 300.000 Euro an Gewinnvortrag (alt) 300.000 Euro
  • Eröffnungsbilanzkonto 295.000 Euro an Verbindlichkeiten 295.000 Euro
  • EBK 5.000 Euro an Rückstellungen 5.000 Euro

Die Eröffnungsbilanz ist mit der Schlussbilanz des Vorjahres identisch. Die Eröffnungsbilanzbuchungen bewirken, dass sich die Eröffnungsbilanz auf dem Eröffnungsbilanzkonto spiegelt. Das Eröffnungsbilanzkonto sieht demnach wie folgt aus:

Soll

  • Stammkapital 100.000 Euro
  • Gewinnvortrag 368.000 Euro
  • Verbindlichkeiten: 295.000 Euro
  • Rückstellungen 5.000 Euro
  • Summe: 768.000 Euro

Haben

  • Grundbesitz 100.000 Euro
  • Gebäude 500.000 Euro
  • Fuhrpark 80.000 Euro
  • Betriebs- und Geschäftsausstattung 20.000 Euro
  • Vorräte 45.000 Euro
  • Forderungen 20.500 Euro
  • Kasse 500 Euro
  • Bank 2.000 Euro
  • Summe: 768.000 Euro

Die Eröffnungsbilanz im Rahmen der Buchhaltung

Das Handelsrecht bestimmt in § 242 HGB (Handelsgesetzbuch), dass jeder Kaufmann zu Beginn des Handelsgewerbes und zu Beginn eines neuen Geschäftsjahres eine Eröffnungsbilanz zu erstellen hat.

Zur Erstellung der Eröffnungsbilanz erstellt der Buchhalter die Eröffnungsbilanzbuchungen aufgrund der Schlussbilanz des Vorjahres. Die Zahlen aus der Schlussbilanz ergeben sich aus der Fortführung der Bestandskonten. Bei dem abnutzbaren Anlagevermögen müssen die Abschreibungen vollständig erfasst sein. Die Vorräte ermittelt er anhand der Inventur. Forderungen und Verbindlichkeiten werden anhand der Offenen-Posten-Liste abgestimmt. Die Beträge für die Rückstellungen ergeben sich aufgrund der vorläufigen Steuerberechnungen. Andere Bestandskonten (z.B. Kasse und Bank) werden anhand von Belegen abgestimmt.

Hat der Buchhalter die Eröffnungsbilanzbuchungen abgeschlossen, kann die Buchhaltung des laufenden Geschäftsjahres (z.B. die Erfassung der Abschreibungen) fortgeführt werden. Zur Kontrolle des richtigen Vortrags prüft der Buchhalter den Saldo des Eröffnungsbilanzkontos. Dieser muss den Wert null haben.

Die digitale Erstellung des Eröffnungsbilanzkontos

Früher hat der Buchhalter alle Eröffnungsbilanzbuchungen händisch vorgenommen und in dem jeweiligen Buchhaltungssystem eingegeben. Moderne Buchhaltungssysteme erzeugen alle Eröffnungsbilanzbuchungen automatisch. Das System übernimmt die Schlussbilanzwerte des Vorjahres und überträgt sie in das aktuelle Geschäftsjahr. Nutzt der Buchhalter das Datev System, ist das Eröffnungsbilanzkonto mit dem Konto 9000 »Saldenvorträge Sachkonten« identisch.

Abgrenzung zum Schlussbilanzkonto

Von dem Eröffnungsbilanzkonto ist das Schlussbilanzkonto (SBK) abzugrenzen. Das SBK nimmt am Ende des Geschäftsjahres die Salden aller Bestandskonten (Aktiva und Passiva) auf und überträgt die Werte in die Schlussbilanz.

Zusammenfassung

  • Das Eröffnungsbilanzkonto (kurz: EBK) nutzt der Buchhalter, um die Werte der Vorjahresbilanz in die aktuelle Geschäftsperiode vorzutragen.
  • Für die Buchungen auf dem Eröffnungsbilanzkonto gelten dieselben Buchhaltungsregeln wie für die laufende Buchführung. Der Buchhalter bucht immer Soll an Haben.
  • Der Buchungssatz für die Eröffnungsbilanzbuchungen der Aktivseite lauten: Aktiva an EBK
  • Analog nimmt der Buchhalter für die Eröffnungsbilanzbuchungen der Passivseite die Buchungen nach dem folgenden Muster vor: EBK an Passiva.
  • Das Eröffnungsbilanzkonto weist alle Posten der Eröffnungsbilanz auf der anderen Seite aus. Dies bedeutet, die Aktiva der Eröffnungsbilanz stehen auf dem Habenkonto des EBK. Die EB-Werte der Passivseite stehen auf dem EBK im Soll.
  • Das Eröffnungsbilanzkonto spielt auch handelsrechtlich eine große Rolle. § 242 HGB fordert von einem Kaufmann, zu Beginn eines jeden Geschäftsjahres die Erstellung einer Eröffnungsbilanz.
  • Für die Erstellung der Eröffnungsbilanz sind die Schlusswerte der Bilanz des Vorjahres maßgeblich.
  • Ein modernes Buchhaltungssystem erzeugt die Eröffnungsbilanzbuchungen automatisch. Die Werte des Vorjahres werden vom System erfasst und in das neue Geschäftsjahr vorgetragen.
  • Der Buchhalter kann den korrekten Vortrag der Zahlen überprüfen. Hierzu dürfen auf dem EBK keine Salden mehr offen sein. Die Sollseite muss wertmäßig der Habenseite entsprechen.