Definition: Liquidität

Unter Liquidität versteht man die Fähigkeit, Zahlungsverpflichtungen nachkommen zu können. Ein Unternehmen ist dann liquide, wenn es in der Lage ist, die fälligen Verpflichtungen – wie Gehälter der Angestellten, Mieten und offene Rechnungen – zu begleichen. Wenn diese Fähigkeit nicht mehr gegeben ist, spricht man von einer Zahlungsunfähigkeit und es droht eine Insolvenz.

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Mangelnde Liquidität

Neben dem Faktor einer zu geringen Eigenkapitalquote ist mangelnde Liquidität die häufigste Ursache einer Insolvenz bei Unternehmen. Oft tritt der Liquiditätsmangel überraschend ein, besonders wenn ein Unternehmen eine unzureichende Liquiditätsplanung durchgeführt hat. Im Falle eines Liquiditätsmangels versucht die Unternehmensleitung dies oft noch eine Weile zu verschweigen, um das Unternehmen „irgendwie zu retten“.

Folgen einer mangelnden Liquidität

In der Folge wird dann nur noch den wichtigsten Verpflichtungen nachgekommen, Kreditlinien werden überzogen, Skontomöglichkeiten nicht ausgeschöpft, keine Umsatzsteuer abgeführt, Gehälter werden nicht mehr pünktlich gezahlt und Vermögensgegenstände (unter dem Wert) veräußert. Diese Unternehmenspolitik führt allerdings zu einer immer schlechteren Bonität, welche wiederum die künftige Liquidität des Unternehmens weiter gefährdet und schließlich zur Illiquidität – zur Zahlungsunfähigkeit – führen kann.

Zu hohe Liquidität

Umgekehrt kann ein Unternehmen auch in die Situation einer zu hohen Liquidität kommen, was aber keinesfalls so problematisch ist wie die mangelnde Liquidität. Zu hohe Liquidität kann zu Rentabilitätseinbußen führen. Wenn ein Unternehmen Zahlungsmittel in großer Menge hortet und keine oder nur wenige Investitionen tätigt, so kann es den Zahlungsverpflichtungen zwar leicht nachkommen, verzichtet damit aber auf die übliche Verzinsung und setzt das Geld einem Wertverfall durch Inflation aus.

Die praktische Bedeutung von Liquidität: Welche Gefahr birgt ein Liquiditätsengpass?

Ein Liquiditätsengpass entsteht zum Beispiel, wenn die Kunden ihre Rechnungen verspätet oder gar nicht zahlen. Das Geld, welches bei der Erstellung der Rechnung fest eingeplant war, bleibt aus. Die Folge ist, dass das Unternehmen seinen eigenen Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen kann.

Beispiel 1: Die Entstehung eines Liquiditätsengpasses

Als mehrere Kunden ihre Rechnungen nicht bezahlen, entsteht bei der Fleischer KG ein Liquiditätsengpass. Dieser führt dazu, dass das Unternehmen auch seinen eigenen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen kann. Unter den Verbindlichkeiten, die das Unternehmen nicht mehr tilgen kann, befindet sich die Rückzahlung eines Darlehens zur Finanzierung einer Produktionsmaschine. Als die Bank von dem Liquiditätsengpass erfährt, beantragt sie bei dem zuständigen Insolvenzgericht das Insolvenzverfahren.

Liquiditätsengpass und Insolvenzverfahren

Die Insolvenz kann von einem Gläubiger des zahlungsunfähigen Unternehmens oder von dem Unternehmen selbst eröffnet werden. Die Insolvenzordnung sieht im § 18 InsO vor, dass bereits eine drohende Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzgrund ist. Drohende Zahlungsunfähigkeit bedeutet, dass die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens so schlecht ist, dass es seinen laufenden Zahlungsverpflichtungen in naher Zukunft nicht mehr nachkommen wird. Erster Vorbote der drohenden Zahlungsunfähigkeit ist der Liquiditätsengpass.

Reagiert der Geschäftsführer nicht, wenn er einen Liquiditätsengpass feststellt, macht er sich strafbar. Für die Insolvenzverschleppung droht ihm eine hohe Geldstrafe oder eine mehrjährige Haftstrafe.

Beispiel 2: Insolvenz wegen mangelnder Liquidität

Der Buchhalter der Leimen GmbH macht den Geschäftsführer darauf aufmerksam, dass die Zahlungen mehrerer Kunden ausbleiben und die finanziellen Mittel des Unternehmens nicht mehr lange dazu reichen werden, um den eigenen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Der Geschäftsführer hofft, dass sich die wirtschaftliche Situation wieder erholen wird. Kurz darauf wendet sich ein Gläubiger der GmbH an das zuständige Gericht und beantragt das Insolvenzverfahren.

Die Liquiditätsgrade

Um einen Liquiditätsengpass – und damit auch ein drohendes Insolvenzverfahren – zu verhindern, muss ein Unternehmen seine eigene Liquidität ständig sichern. Ein Mittel, das sich in der Praxis bewährt hat, ist die Ermittlung der Liquiditätsgrade.

Mithilfe der Liquiditätsgrade kann ein Unternehmen die Liquidität – und damit seine eigene wirtschaftliche Situation – besser kontrollieren. Hierzu nimmt der Controller des Betriebes die Zahlen aus der Bilanz zur Hilfe. Aus den liquiden Mitteln, den Forderungen, den Verbindlichkeiten und den Vorräten können die drei folgenden Liquiditätsgrade ermittelt werden:

Liquiditätsgrad 1

In der Betriebswirtschaftslehre wird die Liquidität des ersten Grades (Liquidität 1) auch als Barliquidität bezeichnet.

Die Barliquidität untersucht zunächst alle Mittel, die ein Unternehmen sofort flüssig machen kann. Dies sind der Kassenbestand und ein positiver Saldo auf dem Geschäftskonto.

Zur Berechnung dieses Liquiditätsgrades stellt der Controller des Unternehmens die flüssigen Mittel den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenüber. Die Formel lautet:

Liquidität 1. Grades = flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten setzen sich aus den folgenden Positionen zusammen:

  • Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen
  • Sonstige Verbindlichkeiten
  • Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten
  • Sonstige Rückstellungen
  • Steuerrückstellungen

Liquiditätsgrad 2

Bei der Ermittlung des Liquiditätsgrads 2 wird die Zahlungsfähigkeit des Unternehmens weiter ausgelegt. Hier spielen nicht nur die flüssigen Mittel, sondern auch die kurzfristigen Forderungen und die Wertpapiere des Umlaufvermögens eine Rolle. Die Summe dieser Positionen setzt der Controller ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Berechnungsformel für den Liquiditätsgrad 2 lautet:

Liquidität 2. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere des Umlaufvermögens) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Liquiditätsgrad 3

Die Ermittlung des Liquiditätsgrads 3 umfasst neben den anderen Positionen des bilanziellen Umlaufvermögens auch die Vorräte. Die Summe aus liquiden Mitteln, kurzfristigen Forderungen, Wertpapieren des Umlaufvermögens und Vorräten setzt der Controller in Beziehung zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Die Berechnungsformel lautet hier:

Liquidität 3. Grades = (flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen + Wertpapiere des Umlaufvermögens + Vorräte) / kurzfristige Verbindlichkeiten

Welche weiteren Liquiditätskennzahlen gibt es?

Die Ermittlung der Liquiditätsgrade ist eine Methode, mit der ein Unternehmen seine eigene Liquidität messen kann. Daneben kommen die folgenden Liquiditätsgrade zur Anwendung:

  • Dynamischer Liquiditätsgrad
  • Working Capital
  • Working Capital Ratio

Dynamischer Liquiditätsgrad

Der dynamische Liquiditätsgrad zieht mit den voraussichtlichen Zahlungseingängen und den voraussichtlichen Zahlungsausgängen eine weitere betriebswirtschaftliche Größe in die Liquiditätsanalyse ein. Der Cash Flow einer bestimmten Periode wird den liquiden Mitteln (diese setzen sich aus dem Kassenbestand und einem positiven Banksaldo zusammen) hinzugerechnet. Das Ergebnis wird ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Die anzuwendende Berechnung lautet:

Dynamischer Liquiditätsgrad = Kassenbestand + positiver Banksaldo + positiver Cash Flow / kurzfristige Verbindlichkeiten

Working Capital

Das Working Capital trägt auch den Namen Nettoumlaufvermögen. Es setzt sich aus den Vorräten und den Forderungen abzüglich der kurzfristigen Verbindlichkeiten zusammen.

Working Capital Ratio

Auch das Working Capital Ratio ist eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, mit deren Hilfe ein Unternehmen die eigene Liquidität überprüfen kann. Hierbei wird das komplette Umlaufvermögen zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Beziehung gesetzt.

Liquidität optimieren

Um die eigene Liquidität zu verbessern, muss ein Unternehmen insbesondere an zwei Schrauben drehen. Es muss den Umsatz steigern und die Kosten reduzieren. Zu den weiteren Möglichkeiten gehören die folgenden Positionen:

  • Geringere Gewinnausschüttungen
  • Kapitalfreisetzungsmaßnahmen
  • Kapitalerhöhungen

Zusammenfassung

  • Ein Unternehmen, das über eine gute Liquidität verfügt, ist in der Lage, seine eigenen Zahlungsverpflichtungen pünktlich und in voller Höhe zu entrichten.
  • Bei einer niedrigen Liquidität droht dem Betrieb die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Dies kann sich bereits andeuten, wenn bei dem Unternehmen ein Liquiditätsengpass entsteht.
  • Das Insolvenzverfahren kann von einem Gläubiger oder dem gesetzlichen Vertreter eines Unternehmens eröffnet werden. Unterlässt z.B. der Geschäftsführer einer GmbH die rechtzeitige Beantragung, macht er sich der Insolvenzverschleppung strafbar.
  • Um einen Liquiditätsengpass zu verhindern, muss ein Unternehmen seine Zahlungsfähigkeit ständig im Blick haben. Dies geschieht u.a. mit der Ermittlung der Liquiditätsgrade.
  • Der Liquiditätsgrad 1 setzt die flüssigen Mittel in Beziehung zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten.
  • Bei der Berechnung des Liquiditätsgrads 2 werden die flüssigen Mittel um die kurzfristigen Forderungen und die Wertpapiere des Umlaufvermögens ergänzt. Die Summe wird zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Beziehung gesetzt.
  • Die Ermittlung der Liquidität 3 fordert zusätzlich eine Einbeziehung der Vorräte.
  • Neben der Messung der Liquiditätsgrade kann ein Unternehmen auf weitere Kennzahlen zurückgreifen, um die eigene Liquidität zu messen.
  • Der dynamische Liquiditätsgrad kennt mit dem Cash Flow eine weitere Größe, die ein Unternehmen in die Liquiditätsanalyse einbeziehen kann. Die Summe aus dem Kassenbestand, einem positiven Banksaldo und einem positiven Cash Flow wird ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt.
  • Einige Unternehmen nutzen das Nettoumlaufvermögen (Working Capital), um zu prüfen, wie liquide der Betrieb ist. Hierzu reicht es aus, dass das Ergebnis aus Vorräten und Forderungen zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten in Beziehung gesetzt wird.
  • Eine weitergehende Kontrolle ist mit dem Working Capital Ratio möglich. Mit Anwendung der Kennzahl erfährt ein Unternehmen, welche kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das Umlaufvermögen finanziert sind.
  • Um die eigene Liquidität zu verbessern, muss ein Unternehmen seinen Umsatz steigern und alle Kostensenkungspotenziale ausschöpfen. Hierzu zählen auch die Reduzierung von Gewinnausschüttungen oder der Beschluss einer Kapitalerhöhung.