Definition: Liquidität und Liquiditätsgrade

Liquidität 1. Grades – Liquidität 2. Grades – Liquidität 3. Grades

Die Liquidität gibt die Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens wieder. Verfügt das Unternehmen über viele liquide Mittel ist es solvent. Dies bedeutet, der Betrieb kann seinen Zahlungsverpflichtungen aus offenen Rechnungen, Verträgen und Gehaltszahlungen zu den jeweiligen Fälligkeitsterminen nachkommen. Mithilfe der Liquiditätsgrade stellt das Unternehmen fest, wie schnell kurzfristige Zahlungsverpflichtungen durch vorhandene liquide Mittel gedeckt sind. Für eine bessere Analyse wird die Messung der Liquiditätsgrade mit unterschiedlichen Bilanzposten vorgenommen. Die Einteilung lautet wie folgt:

Die Liquidität 1. Grades setzt alle flüssigen Mittel eines Unternehmens ins Verhältnis zu den Verbindlichkeiten, die nur von kurzer Dauer sind. Liegt die Kennzahl über 50%, kann dem Unternehmen eine gute Zahlungsfähigkeit bescheinigt werden.

Soll die Liquidität 2. Grades ermittelt werden, kommen zu den flüssigen Mitteln die Forderungen. Die Summe dieser beiden Positionen wird zum kurzfristigen Fremdkapital ins Verhältnis gesetzt.

Die Liquidität 3. Grades setzt zu den flüssigen Mitteln und den Forderungen auch die Vorräte ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Darf es in der Preisgestaltung und bei dem Absatz der Waren keine Probleme geben, sollte diese Kennzahl wenigstens 120% betragen.

Wie werden die Liquiditätsgrade berechnet?

Die Berechnung der einzelnen Liquiditätsgrade ist für jeden Liquiditätsgrad einzeln zu ermitteln. Für die Liquidität 1. Grades lautet die Formel:

(flüssige Mittel / kurzfristige Verbindlichkeiten) * 100%

Die flüssigen Mittel setzen sich hauptsächlich aus dem Kassenbestand und dem Banksaldo zusammen. Aber auch Schecks und diskontierfähige Wechsel werden den liquiden Mitteln zugerechnet.

Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gehören alle Unternehmensschulden, die eine Restlaufzeit von unter einem Jahr haben. Neben Lieferantenverbindlichkeiten sind hier auch Steuerrückstellungen und sonstige Rückstellungen zu nennen.

Beispiel Berechnung der Liquiditätsgrade

Die A GmbH hat am Ende des Geschäftsjahres einen Kassenbestand von 100 EUR. Der Banksaldo beläuft sich auf 450 EUR. Aus der Bilanz ergeben sich die folgenden Verbindlichkeiten:

  • Lieferantenverbindlichkeiten: 150 EUR
  • Umsatzsteuerschuld: 60 EUR
  • Körperschaftsteuerrückstellung: 2.000 EUR

Aus diesen Zahlen ergeben sich die flüssigen Mittel wie folgt:

100 EUR + 450 EUR = 550 EUR

Die kurzfristigen Verbindlichkeiten setzen sich aus den folgenden Beträgen zusammen:

150 EUR + 60 EUR + 2.000 EUR = 2.210 EUR

Die Liquidität 1. Grades errechnet sich wie folgt:

(550 EUR / 2.210 EUR) x 100% = 24,88%

Die Liquidität 2. Grades wird mit der folgenden Formel ermittelt:

(flüssige Mittel + kurzfristige Forderungen) / kurzfristige Verbindlichkeiten * 100 %

Zu den kurzfristigen Forderungen zählen alle Forderungen, die innerhalb eines Jahres ausgeglichen werden. Dies sind hauptsächlich die Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Aber auch ein Körperschaftsteuerguthaben, das aufgrund einer Steuerüberzahlung entstanden ist, wird den kurzfristigen Forderungen zugerechnet.

Beispiel 2: Liquidität berechnen

Die A-GmbH aus Beispiel 1 weist in ihrer Bilanz Kundenforderungen in Höhe von 600 EUR aus. Außerdem wurde ein Körperschaftsteuerguthaben von 150 EUR aktiviert.

Unter Berücksichtigung der Zahlen aus Beispiel 1 ergibt sich für die A-GmbH die Liquidität 2. Grades wie folgt:

(550 EUR + 600 EUR + 150 EUR) / 2.210 EUR + 100% = 58,82%

Die Liquidität hat einen deutlich besseren Wert als bei Beispiel 1.

Die Berechnung der Liquidität 3. Grades lautet wie folgt:

(Umlaufvermögen / kurzfristige Verbindlichkeiten) x 100%

Zu dem Umlaufvermögen rechnet neben den liquiden Mitteln und den Forderungen auch der aktivierte Warenbestand des Unternehmens. Unter der Annahme, dass dieser auf 400 EUR festgelegt werden kann, werden die Beispiele fortgeführt:

Beispiel 3: Formel zur Berechnung der Liquidität

Das Umlaufvermögen der A-GmbH wird in der Bilanz wie folgt dargestellt:

(550 EUR + 750 EUR + 400 EUR) = 1.700 EUR

(1.700 EUR / 2.210 EUR) = 76,92%

Diese Liquiditätskennzahl sagt aus, dass 76,92% der kurzfristigen Verbindlichkeiten durch das vorhandene Umlaufvermögen gedeckt sind. Eine gute Liquidität erreicht das Unternehmen aber erst dann, wenn dieser Wert über 100% liegt.

Welche Aussagekraft haben die Liquiditätsgrade?

Die Liquidität 1. Grades (englisch: cash ratio) beschreibt die Barliquidität. Hier werden die flüssigen Finanzmittel (Bank, Kasse) ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt. Bei den kurzfristigen Verbindlichkeiten liegt die Restlaufzeit nicht über einem Jahr. Überwiegend zählen hierzu die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, Kontokorrentkredite und die Verbindlichkeiten aus Sozialabgaben und Steuern. Wird eine Liquidität 1. Grades von 100% ermittelt, können allein mit den zur Verfügung stehenden flüssigen Mitteln alle kurzfristigen Verbindlichkeiten gedeckt werden.

Die Liquidität 2. Grades (englisch: quick ratio) gibt Auskunft darüber, wie hoch der Anteil der flüssigen Mittel und der Forderungen an dem kurzfristigen Fremdkapital ist. Zu dem kurzfristigen Fremdkapital rechnen alle Verbindlichkeiten, deren Laufzeit drei Monate nicht übersteigt. Dies können z.B. kurzfristige Bank- und Lieferantenkredite sein. Liegt die Liquidität 2. Grades bei 50% ist damit die Aussage verbunden, dass 50% des kurzfristigen Fremdkapitals durch flüssige Mittel und Forderungen gedeckt sind.

Die Liquidität 3. Grades (englisch: current ratio) bezieht zu den flüssigen Mitteln und den Forderungen die Vorräte in die Analyse ein. Deshalb wird diese Kennzahl auch als Warenliquidität bezeichnet. Die Summe aus flüssigen Mitteln, Forderungen und Vorräten stellt das Umlaufvermögen eines Unternehmens dar. Damit Preise gut gestaltet werden und die Waren sich gut verkaufen lassen, sollte der Deckungsgrad dieser Kennzahl über 100% liegen.

Die Liquiditätsgrade: Vor- und Nachteile

Bei der Beurteilung der Liquiditätskennzahlen ergeben sich einige Vor- und Nachteile. Als vorteilhaft erweist sich die Beurteilung der Liquidität anhand geeigneter Kennzahlen, weil das Unternehmen bei einer guten Beurteilung schneller reagieren kann. Fällt eine Maschine aus und muss repariert werden, kann die Verbindlichkeit schnell beglichen werden. Im anderen Fall – die Liquiditätskennzahlen haben negative Werte – weiß der Unternehmer, dass er schneller reagieren muss.

Trotz dieses Vorteils sollte die Aussagekraft der Liquiditätskennzahlen nicht überbewertet werden. Bei der Ermittlung der einzelnen Grade zur Liquidität werden Vergangenheitswerte herangezogen. Es werden der Bankbestand und die Forderungen analysiert, die das Unternehmen in der Bilanz des vergangenen Jahres ausgewiesen hat. Je nachdem, wann der Tag der Bilanzaufstellung ist, sind diese Zahlen veraltet. Bankbestand und Kassensaldo haben sich ebenso verändert wie die aktuelle Auftragslage.

Kritisch muss bei der Liquiditätskennzahl auch die leichte Manipulierbarkeit festgestellt werden. Dieser Punkt hat besonders dann Gewicht, wenn einem externen Bilanzanalysten (z.B. Bankberater) keine anderen Unternehmenskennzahlen zur Verfügung stehen.

Eine direkte Beeinflussung der Liquiditätsgerade wird z.B. dadurch erzielt, dass ein kurzfristiges Darlehen am Bilanzstichtag zurückgezahlt wird. Auch die Aufnahme eines kurzfristigen Kredits verändert das Liquiditätsergebnis.

Weist z.B. das Umlaufvermögen vor der Rückzahlung eines Kredits einen Betrag von 25.000 EUR aus und betragen die kurzfristigen Verbindlichkeiten 15.000 EUR, ergibt sich die folgende Liquidität 3. Grades:

(25.000 EUR / 15.000 EUR) x 100 = 166%.

Wird am Bilanzstichtag ein kurzfristiger Kredit in Höhe von 5.000 EUR aufgenommen, ändert sich das Ergebnis wie folgt:

(25.000 EUR / 20.000 EUR) x 100 = 125%

Zusammenfassung

  • Die Liquidität gibt an, wie solvent ein Unternehmen ist.
  • Maßgeblich sind die Liquiditätsgrade. Mittels dieser Kennzahl kann ein Unternehmen feststellen, inwieweit kurzfristige Verbindlichkeiten durch kurzfristige liquide Mittel gedeckt werden.
  • Zur besseren Analyse der Liquidität wird nach der Liquidität 1. Grades, der Liquidität 2. Grades und der Liquidität 3. Grades unterschieden.
  • Auf der ersten Stufe werden die flüssigen Mittel ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt.
  • Auf der zweiten Stufe werden flüssige Mittel und Forderungen in Beziehung zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten gesetzt.
  • Auf der dritten Stufe wird das gesamte Unternehmensumlaufvermögen als relevante Größe herangezogen. Zu dem Umlaufvermögen gehören außer den liquiden Mitteln und den Forderungen auch die Vorräte.
  • Den einzelnen Liquiditätsgraden kann die folgende Aussagekraft beigemessen werden:
  • Je mehr Positionen in die Berechnung miteinfließen, je solventer sollte das Unternehmen sein.
  • Werden nur der Bankbestand und der Kassensaldo berücksichtigt, wird in der Regel eine schlechtere Liquidität festgestellt, weil die Zahlungsmittel niedrig verzinst sind.
  • Die Liquidität steigt, wenn die Forderungen auf der 2. Stufe berücksichtigt werden.
  • Wird das komplette Umlaufvermögen in die Ermittlung der Liquidität einbezogen, sollte das Ergebnis über 100% liegen. Andernfalls besteht für das Unternehmen die Gefahr, dass es schnell in Zahlungsschwierigkeiten geraten kann.
  • Vorteilhaft stellt sich bei der Ermittlung der Liquiditätskennzahlen heraus, dass ein Unternehmen schneller reagieren kann. Weiß die Unternehmensleitung, dass kurzfristige Verbindlichkeiten vom Bankkonto oder aus der Kasse bezahlt werden können, werden schneller Investitionen getätigt.
  • Wegen der leichten Manipulierbarkeit der Kennzahlen sollte man deren Aussagekraft aber genaustens überprüfen. Wird am Bilanzstichtag ein kurzfristiger Kredit aufgenommen, ändert sich das Ergebnis ebenso wie bei dem Ausgleich einer größeren Forderung am 31. Dezember.