Definition: Grenzerlös

Der Grenzerlös (auch Grenzumsatz oder Erlöszuwachs) ist ein Begriff, der in der Mikroökonomie verwendet wird. Die Mikroökonomie stellt den Teil der Volkswirtschaftslehre dar, der das Verhalten einzelner Wirtschaftssubjekte unter wirtschaftlichen Aspekten betrachtet. Diese Wirtschaftssubjekte sind die privaten Haushalte und die Unternehmen.

Das Grenzwachstum gibt den zusätzlichen Umsatz an, der sich erzielen lässt, wenn die Produktion um eine Mengeneinheit erhöht wird. Multipliziert das Unternehmen den Erlöszuwachs mit der Grenzproduktivität, ergibt sich das Grenzerlösprodukt.

Der Erlöszuwachs steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit den erzielten Umsätzen eines Unternehmens. Die betrieblichen Erlöse werden durch Multiplikation des Nettoverkaufspreises mit der verkauften Menge ermittelt. Das Grenzwachstum ergibt sich aus der ersten Ableitung dieser Erlösfunktion.

Das Gegenstück zum Grenzumsatz sind die Grenzkosten. Sie verändern sich unter den folgenden zwei Bedingungen:

  • In einem Produktionsprozess fallen fixe und variable Kosten an. Während die fixen Kosten sich nur sehr selten ändern (z.B. durch eine Mieterhöhung für die Produktionshalle), entstehen bei jedem Produktionsprozess unterschiedliche variable Kosten. Dies wirkt sich auch auf die Grenzkosten aus. Steigen die variablen Kosten, werden auch die variablen Kosten erhöht. Sinken die variablen Kosten, muss das Unternehmen auch mit weniger Grenzkosten rechnen.
  • Grenzkosten entstehen, wenn ein Unternehmen nur eine Mengeneinheit mehr von einem Produkt herstellt.

Grenzerlöse und Grenzkosten stehen in einer engen Verbindung zueinander. Entspricht der Grenzerlös den Grenzkosten, ergibt sich der Gleichgewichtspreis. Diese Größe zeigt an, zu welchem Preis Konsumenten ein Produkt nachfragen und zu welchem Preis die Produzenten dieses Produkt anbieten können.

Die Berechnung des Grenzerlöses

Grenzerlös im Zusammenhang mit der Preisabsatzfunktion

Möchte ein Unternehmer für sein Produkt den Grenzerlös berechnen, kommt die Grenzerlös Formel zum Einsatz. Die Grenzerlös Formel ist die erste Ableitung der Erlösfunktion. Diese lautet:

Erlös (E) = Preis (P) x Menge (M)

Nach Bildung der ersten Ableitung ergibt sich die Grenzerlösfunktion.

Die Grenzerlösfunktion

Die Grenzerlös Formel lautet: E`= P` x M + P x M`.

Die Funktion ist abhängig von der Preis-Absatz-Funktion. Mit der Preis-Absatz lässt sich die Menge bestimmen, die ein Unternehmen von einem bestimmten Produkt absetzen kann, wenn ein bestimmter Verkaufspreis vorgegeben ist.

Für die Ermittlung des Grenzerlöses muss zunächst die Menge der verkauften Produkte bestimmt werden.

Beispiel

Ein Schokoladenhersteller stellt Schokolade mit Nüssen, Schokolade mit Mandeln und weiße Schokolade her.

Im letzten Quartal verkaufte das Unternehmen 10.000 Schokoladen mit Nüssen, 8.000 Schokoladen mit Mandeln und 12.000 weiße Schokoladen.

Der Schokoladenhersteller möchte herausfinden, welchen Grenzerlös er erzielt, wenn 10.000 Schokoladen mit Mandeln verkauft. Das Unternehmen erhöht die Produktion um 2.000 Stück.

Bei einem Preis von 1,30 Euro pro Stück, erzielt das Unternehmen einen Gesamterlös von:

2.000 Stück x 1,30 Euro = 2.600 Euro

Um den Erlöszuwachs für die Produktion der Schokolade mit Mandeln zu berechnen, muss das Unternehmen den Preis ermitteln, zudem sie eine Schokolade mehr verkaufen würde. Das Unternehmen senkt den Preis von 1,30 Euro auf 1,25 Euro. Die Produktion wird von 10.000 auf 10.001 erhöht. Der Gesamtumsatz für die Schokolade mit Mandeln ergibt sich nun wie folgt:

2.001 Stück x 1,25 Euro = 2.501,25 Euro

Das Grenzwachstum ermittelt sich wie folgt:

2.501,25 Euro./. 2.600 Euro = -98,75 Euro

Die Anwendung der Grenzerlös Formel bringt ein negatives Ergebnis. Für das Unternehmen würden sich die Produktion einer Schokolade mehr und die Senkung des Preises negativ auswirken.

Das Verhalten des Erlöszuwachses unter verschiedenen Marktbedingungen

Auf dem Markt herrschen verschiedene Marktstrukturen. Bei einem Monopol gibt es einen Anbieter und viele Nachfrager. Im Polypol bieten ebenso viele Händler ihre Waren an, wie sie nachgefragt werden. Das Oligopol kennzeichnet sich dadurch, dass die Nachfrage das Angebot übersteigt. Je nachdem, welche Marktstruktur gegeben ist, verhält sich der Grenzerlös unterschiedlich.

Das Grenzwachstum im Monopol

Bei Vorliegen eines Monopols beherrscht ein einziges Unternehmen den Markt. Bevor sich die Telekommunikationsbranche weiter ausbreitete und viele neue Anbieter hervorbrachte, hatte die Telekom ein Monopol auf diesem Gebiet. Heute gibt es kaum noch Branchen, in denen sich ein Unternehmen so durchsetzt, dass man von einer Monopolstellung reden kann.

Die Konkurrenz der Unternehmen auf den Märkten, wirkt sich auch auf die Preispolitik aus. Um wettbewerbsfähiger zu bleiben, bieten viele Unternehmen ihre Produkte zu einem niedrigen Preis an. Würden sie dies nicht tun, würden sie ihre Kunden an die Konkurrenz verlieren. Dieses Verhalten macht sich auch bei der Entwicklung des Erlöszuwachses im Monopol bemerkbar. Die Unternehmen können kein Grenzwachstum generieren, weil die Preise zu tief liegen.

Das Grenzwachstum im Oligopol

Im Oligopol stehen wenige Anbieter vielen Nachfragern gegenüber. Obwohl die Verkaufszahlen steigen, nimmt das Grenzwachstum ab. Die logische Folge wäre, dass die Unternehmen die Preise für ihre Produkte senken. Hiervon sehen viele Betriebe jedoch ab, weil sie keinen Preiskampf wollen. Bei einem Preiskampf besteht die Gefahr, dass sich die Gewinne aller Unternehmen verringern.

Das Grenzwachstum im Polypol

Aus der Sicht des Erlöszuwachses ist das Polypol vergleichbar mit einem Monopol. Der Gleichgewichtspreis stellt sich dort ein, wo das Grenzwachstum ebenso hoch ist, wie die Grenzkosten. Ebenso wie Monopol sehen die Unternehmen davon ab, die Preise für ihre Produkte im Polypol zu verändern. Damit ändert sich auch nicht der Erlös, den das Unternehmen erzielt, wenn es eine Mengeneinheit mehr produziert.

Wie grenzt sich der Durchschnittserlös vom Erlöszuwachs ab?

Mit dem Durchschnittserlös wird der Umsatz ermittelt, der sich durchschnittlich für ein Produkt ergibt. Im Gegensatz zum Grenzwachstum ist der Durchschnittserlös nicht davon abhängig, dass das Unternehmen eine Mengeneinheit mehr produziert.

Zusammenfassung

  • Das Unternehmen ermittelt den Grenzerlös, wenn es von einem Produkt eine Mengeneinheit mehr produziert.
  • Das Gegenstück zum Grenzwachstum sind die Grenzkosten. Sie entstehen z.B., wenn das Unternehmen die Entscheidung fällt, von einem Produkt eine Mengeneinheit mehr zu produzieren.
  • Entspricht das Erlöswachstum den Grenzkosten, ermittelt sich der Gleichgewichtspreis. Dies bedeutet, dass alle hergestellten Produkte einen Abnehmer finden, ohne dass der Unternehmer den Preis senken muss.
  • Als Basis für die Ermittlung des Erlöswachstums dient die Erlösfunktion. Diese lautet: E = P x M.
  • Die Grenzerlösfunktion ist die erste Ableitung der Erlösfunktion. Mit deren Anwendung stellt ein Unternehmen fest, wie hoch der Gewinn ist, wenn es eine Mengeneinheit mehr produziert.
  • Ergibt sich aus der Berechnung ein negatives Grenzwachstum, würde sich eine Senkung des Preises für das Unternehmen nicht auszahlen.
  • Für das Grenzwachstum zeigt sich ein unterschiedliches Verhalten, wenn andere Marktbedingungen herrschen.
  • Wird der Markt von nur einem Unternehmen beherrscht (Monopol), ist die Konkurrenz untereinander zu stark, um die Preise stabil zu halten. Würden die Unternehmen die Preise für ihre Produkte nicht senken, würden sie ihre Kunden an die Konkurrenz verlieren. Mit den niedrigen Preisen können die Unternehmen auch kein Grenzwachstum generieren.
  • Im Oligopol steigen die Verkaufszahlen an. Dies wirkt sich jedoch nicht auf das Erlöswachstum aus. Die konkurrierenden Anbieter vermeiden einen Preiskampf, weil hiervon niemand profitiert. Die Preise müssten schließlich so tief gesenkt werden, dass eine Kostendeckung fraglich wäre.
  • Im Polypol verhält sich das Grenzwachstum ähnlich wie im Monopol.
  • Der Erlöszuwachs grenzt sich vom Durchschnittserlös ab. Der Durchschnittserlös ist der Stückerlös für eine produzierte Einheit. Um diesen zu erzielen, muss ein Unternehmen keine Mengeneinheit mehr produzieren.