Definition Marktkapitalisierung

Die sogenannte Marktkapitalisierung (market cap), häufig auch bezeichnet als Börsenkapitalisierung oder Börsenwert, gibt den Marktwert einer Aktiengesellschaft an. Sie ist somit Vergleich mit dem Verkehrswert eines Hauses, der den Wert eines Hauses angibt. Die Marktkapitalisierung bezeichnet dabei den Wert eines Unternehmens, der durch die Aktienanteile an der Börse gehandelt wird. Durch diesen Wert ist ein Vergleich von Unternehmen branchenübergreifend und innerhalb einer Branche möglich.

Die Marktkapitalisierung ist eine sehr wichtige Kennzahl für das Unternehmen, aber auch für die Börse, an der das Unternehmen gehandelt wird. Diese Kennzahl zeigt für das Unternehmen als auch für die Börse die Bedeutung und den Handelsumfang. Die, gemessen anhand der Marktkapitalisierung weltweit größten Börsen sind die New York Stock Exchange (Marktkapitalisierung rund 31 Milliarden Euro) und der NASDAQ (Marktkapitalisierung rund 11 Milliarden Euro).

Bedeutung des Begriffes

Die Marktkapitalisierung ist, wie bereits erwähnt, eine sehr wichtige Kennzahl für das Unternehmen. Diese Kennzahl ermöglicht einen Vergleich mit anderen Unternehmen der gleichen Branche, aber auch, bedingt, mit Unternehmen anderer Branchen. Umso größer der Wert der Marktkapitalisierung eines Unternehmen ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen auch in Krisenzeiten die notwendige Liquidität hat, um diese Krise zu überstehen. Zusätzlich können durch diese Größe Aussagen über zukünftige Kurschancen des Unternehmens getroffen werden. Speziell für Anleger ist die Marktkapitalisierung die erste Kennzahl, die betrachtet wird, um eine Kaufentscheidung einer Aktie zu treffen.

Starke Schwankungen sind möglich, Abhängigkeit vom Aktienkurs

Dennoch ist diese Kennzahl nicht ohne Risiko zu betrachten. Für kleine Unternehmen gilt, dass hier die Marktkapitalisierung starken Schwankungen unterliegt. Der Grund ist, dass die Aktien von solchen kleinen Unternehmen, also Unternehmen mit einer geringen Marktkapitalisierung eher weniger gehandelt werden. Kommt es nun zu einem sprunghaften Anstieg der Handelskapazität mit den Aktien dieses Unternehmens, steigt der Aktienkurs sprunghaft an. Durch die Verbindung von Aktienkurs und Marktkapitalisierung steigt somit auch der Wert dieser Kennzahl sehr stark an. Kann aber auch sehr stark fallen, wenn das Handelsvolumen wieder nachlässt. Unternehmen, die eine geringe Marktkapitalisierung haben, gelten daher eher als risikobehaftete Anlage als Unternehmen, mit einer hohen Marktkapitalisierung.

Unterteilung in Kategorien

Aufgrund der Relevanz dieser Kennzahl für den Anleger, werden Unternehmen in sogenannte Caps unterteilt. Je nachdem in welche Kategorie der Caps ein Unternehmen fällt, werden bestimmte Offenlegungspflichten aktiv oder inaktiv. So haben Anleger eine noch bessere Möglichkeit, die Geschäfte des Unternehmens zu bewerten und zu beurteilen. Die Kategorisierung der Unternehmen geschieht anhand ihres Marktwertes. Unternehmen mit einem Marktwert von weniger als 50 Millionen US-Dollar fallen in die Kategorie der Pennystocks. Von einer Geldanlage in solche Unternehmen wird dringend abgeraten, da hier das Risiko eines Totalverlustes besteht. Unternehmen die über einen Marktwert von 50 Millionen bis zu 300 Millionen US-Dollar verfügen, fallen in die Kategorie Mikro Caps. Es folgen Small Caps mit einem Marktwert bis zu zwei Milliarden Dollar, Mid Caps bis zu zehn Milliarden Dollar, Large Caps bis zu 200 Milliarden Dollar und die Branchenriesen als Blue-Chips mit einem Marktwert von mehr als 200 Milliarden Dollar. Hierzu zählen Unternehmen wie Apple, Microsoft und Amazon mit einem Marktwert von jeweils mehr als 900 Millionen US-Dollar. Wertvollstes deutsches Unternehmen mit einem Marktwert von rund 130 Millionen US-Dollar ist SAP.

Auch im Rahmen der Fundamentalanalyse von Aktien ist die Marktkapitalisierung eine wichtige Kennzahl.

Der Börsengang und die Marktkapitalisierung

Steht ein Unternehmen kurz vor einem Börsengang werden erstmalig Aktien dieses Unternehmens an einer Wertpapierbörse gehandelt. Die Gründe, warum ein Unternehmen an die Börse geht, können vielfältig sein. Teilweise geht es darum, neues Kapital zu beschaffen um das Wachstum zu sichern oder auch um Großprojekte zu finanzierten. Teilweise war es auch von Anfang an der Plan der Unternehmensgründer ab einem gewissen Zeitpunkt an die Börse zu gehen. Für Unternehmen besteht generell die Möglichkeit, Kapital über die sogenannte Innen- oder über die Außenfinanzierung zu erlangen. Bei der Innenfinanzierung werden beispielsweise Gewinne dazu genutzt, das Eigenkapital des Unternehmens zu erhöhen. Dieses Verfahren kommt jedoch nur dann in Betracht, wenn das Unternehmen auch tatsächlich Gewinne erwirtschaftet. Eine andere Möglichkeit der Finanzierung ist die Außenfinanzierung. Eine Außenfinanzierung eines Unternehmens kann durch die Aufnahme von Krediten oder einen Börsengang geschehen.

Die Beteiligungsfinanzierung

Eine weitere Form, dass Kapital des Unternehmens zu erhöhen ist die sogenannte Beteiligungsfinanzierung, die sowohl Innen- als auch Außenfinanzierung gleichzeitig ist. Zusätzlich ist diese Form eine Variante der Eigenfinanzierung. Die Aufnahme von Krediten würde eine Außenfinanzierung als Fremdfinanzierung darstellen. Eine Beteiligungsfinanzierung läuft in der Form ab dass die Gesellschafter Eigenkapital zum Unternehmen hinzuführen. Solche Finanzierungen finden vor allem bei Unternehmensgründungen statt, kommen aber auch immer wieder im Falle von Kapitalerhöhung in Betracht. Eine Erhöhung des Eigenkapitals kann positive Auswirkungen auf die Marktkapitalisierung eines Unternehmens haben.

Grenzen der Marktkapitalisierung

Die Berechnung der Marktkapitalisierung berücksichtigt, wie oben erwähnt, nur die Aktien, die sich im Streubesitz befinden. Die Auswirkungen, die Großaktionäre auf das Unternehmen haben, bleiben dabei unberücksichtigt. Unternehmen mit einer hohen Quote an Streubesitzaktien haben daher auch eine hohe Marktkapitalisierungsquote, Unternehmen mit einer niedrigen Quote von Streubesitzaktien haben eine geringe Marktkapitalisierungsquote. Wird ein Unternehmen daher von einem anderen Unternehmen aufgekauft, liegen die Übernahmeangebote meistens über dem aktuellen Marktwert des Unternehmens. Das hängt zum einen damit zusammen, dass solch ein Übernahmeangebot die Aktieninhaber zum Verkauf der Aktien animieren soll und zum anderen daran, dass die übernehmende Firma zukünftig Synergieeffekte erhofft, die sich positiv auf die Rentabilität der Unternehmen auswirkt. Als alleinige Kennzahl zur Ermittlung des Unternehmenswertes ist die Marktkapitalisierung daher ungeeignet. Bessere Daten liefern Unternehmensbewertungsmethoden wie die Ertragswertmethode, die Substanzwertmethode oder die Discounted Cash Flow Methode. Alle diese Methoden eignen sich für die Ermittlung des Unternehmenswertes eines Unternehmens. Jede Methode an sich hat jedoch spezifische Vor- und Nachteile.

Berechnung der Marktkapitalisierung

Die Berechnung der Marktkapitalisierung erfolgt, in dem alle Aktien des Unternehmens zu dem aktuellen Aktienkurs zusammengerechnet werden. Gehen wir davon aus, wir haben eine Aktiengesellschaft, die eine Millionen Aktien ausgegeben hat. Der Aktienkurs einer Aktie liegt aktuell bei 50 Euro. Demnach ist das Unternehmen zurzeit 50.000.000 Euro wert. Die Berechnung erfolgt, indem die Anzahl der Aktien mit dem Aktienkurs multipliziert wird. Durch die Verknüpfung der Anzahl der Aktien mit dem aktuellen Aktienkurs unterliegt dieser Wert starken Schwankungen. Oft heißt es in Zeitung, dass innerhalb eines Tages mehrere Millionen Euro Unternehmenswert an der Börse vernichtet worden sind. Die Zeitungen beziehen sich hierbei auf die Marktkapitalisierung. Verliert der Aktienkurs unseres Unternehmens aus dem oben genannten Beispiel aufgrund schlechter Quartalszahlen von einem Tag auf den anderen Tag an Wert und liegt der Aktienkurs am nächsten Tag beispielsweise nur noch bei 40 Euro, beträgt der Wert des Unternehmens plötzlich nur noch 40.000.000 Euro. Ein Verlust von 10.000.000 Euro.

Maßgeblich ist der Streubesitz

Für die Berechnung der Wertes eines Unternehmens werden nur die Aktien berücksichtigt, die im freien Umlauf, also an einem Aktienplatz gehandelt werden. Aktien, die im Besitz des Unternehmens sind und damit nicht Teil des freien Umlaufs, werden nicht berücksichtigt. Die Aktien, die im freien Handel zu finden sind, werden Streubesitz genannt.

Angebot und Nachfrage

Maßgebend für die Berechnung des Wertes ist also der Kurs der Aktie. Der Aktienkurs eines Unternehmens entsteht durch Angebot und Nachfrage. Der Wert einer Aktie ist ein festgestellter Preis für diese Aktie. Für die Feststellung des Preises werden die Börsenmakler zunächst alle Aktienkauf- und Aktienverkaufswünsche der entsprechenden Aktie entgegen nehmen. Im nächsten Schritt wird ermittelt, bei welchem Börsenkurs der Aktie der größte Umsatz mit dieser Aktie erwirtschaftet wird. Dies ist an dem Punkt der Fall, an dem möglichst viele Kauf- und Verkaufswünsche erfüllt werden. Dieser Kurs wird am Ende veröffentlicht und entspricht dann dem Kurs aller Aktien. Die Festsetzung und Veröffentlichung dieses Kurses wird auch Notierung genannt.

Zusammenfassung Marktkapitalisierung

  • Die Marktkapitalisierung entspricht dem Preis eines Unternehmens, der aktuell durch alle Aktien an der Börse des Unternehmens entsteht
  • Die Marktkapitalisierung entspricht somit dem Preis, den ein Unternehmer zahlen müsste, um das gesamte Unternehmen zu erwerben
  • Berechnung: Anzahl der Aktien im Streubesitz * Börsenkurs der Aktie = Marktkapitalisierung
  • Firmen werden anhand der Marktkapitalisierung in Kategorien eingeteilt
  • Bei Firmen mit geringen Marktwerten sind durch Kursveränderungen der Aktien starke Schwankungen im Wert möglich
  • Die größten Firmen der Welt (gemessen anhand der Marktkapitalisierung) werden Blue Chips genannt. Hierzu zählen unter anderem Apple, Amazon und Microsoft