Definition: Berufsunfähigkeitsversicherung

Die Berufsunfähigkeitsversicherung zählt zu den Invaliditätsabsicherungen. Mit dieser ist es möglich, sich gegen die finanziellen Folgen einer Berufsunfähigkeit abzusichern. Einkommenseinbußen lassen sich durch diese private Absicherung reduzieren. Ein vollständiger Ausgleich des Einkommens aus der beruflichen Tätigkeit ist jedoch nicht möglich und vom Versicherer auch nicht vorgesehen. Der Anreiz zur Wiederaufnahme der Berufstätigkeit soll beibehalten werden. Die Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung werden bei Vertragsabschluss festgelegt. Damit erhält der Versicherte im Leistungsfall einen exakt vereinbarten Betrag in Form einer monatlichen Rente ausbezahlt.

Wann ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll?

Die meisten Berufstätigen sind auf ihr Einkommen und dementsprechend auf ihre Arbeitskraft angewiesen. Das trifft auf Arbeitnehmer, genauso wie auf Selbstständige und Freiberufler zu. Doch Krankheiten und Unfälle können die Arbeitskraft beeinträchtigen und dazu führen, dass der Beruf nicht mehr oder nur noch in geringem Umfang ausgeübt werden kann. Arbeitnehmer sind zunächst über die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall abgesichert und im weiteren Verlauf einer Erkrankung kann das sogenannte Krankengeld beim zuständigen Leistungsträger beantragt werden. Diese Art der finanziellen Absicherung greift jedoch nur bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit.

Wer seinen Beruf langfristig – für die Dauer von mindestens drei Jahren – nicht ausüben kann und damit berufsunfähig ist, erhält diese Leistungen nicht mehr. Das Krankengeld wird für die Dauer von maximal 78 Wochen gezahlt. Im Anschluss können andere Leistungen, beispielsweise die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung beantragt werden. Die Leistungen liegen jedoch unterhalb des Niveaus der Grundsicherung. Damit ist es in der Regel nicht möglich, den gewohnten Lebensstandard zu erhalten. Es bedarf einer zusätzlichen privaten Absicherung, um die finanzielle Lücke zu schließen und regelmäßige Ausgaben zu decken.

Was bedeutet „Berufsunfähigkeit“?

Die Berufsunfähigkeit bezeichnet eine längerfristige Einschränkung der Arbeitskraft im jeweils ausgeübten Beruf. Damit unterscheidet sich die Berufsunfähigkeit von der Erwerbsunfähigkeit. Die Versicherer legen in ihren vertraglichen Bedingungen fest, wann der Leistungsfall eintritt. Das ist in der Regel schon ab einer Leistungseinschränkung von mindestens 50 Prozent im jeweiligen Beruf der Fall. Jedoch gibt es auch abweichende Vereinbarungen. Zudem ist für die Definition der Berufsunfähigkeit entscheidend, wie lange die gesundheitlichen Einschränkungen vorliegen. Das ist bei dauerhafter Beeinträchtigung der Fall, wobei der Gesetzgeber diesbezüglich einen Zeitraum von drei Jahren festgelegt hat. In vielen Versicherungsbedingungen werden andere Zeiten festgelegt. In diesen muss die voraussichtliche Dauer bei eingetretener Berufsunfähigkeit beispielsweise mindestens sechs Monate betragen.

Berufsunfähigkeitsversicherung: Welche Kosten fallen an?

Die Kosten der Berufsunfähigkeitsversicherung hängen von verschiedenen Faktoren ab. Zunächst gibt es bei den unterschiedlichen Versicherungen mit ihren Tarifen deutliche Preisunterschiede. Darüber hinaus entscheiden folgende Faktoren über die Kosten:

  • Das Alter: Je jünger ein Versicherter bei Vertragsabschluss ist, desto günstiger ist der Tarif.
  • Der Gesundheitszustand: Vorerkrankungen und gesundheitliche Beschwerden können zu Risikozuschlägen oder Leistungseinschränkungen führen.
  • Der Beruf: Die Versicherungsprämie richtet sich auch nach dem Berufsrisiko. Insbesondere bei körperlich stark belastenden Berufen wird von einem hohen Risiko ausgegangen. Für andere Berufsgruppen, beispielsweise im kaufmännischen Bereich, wird das Risiko in der Regel als bedeutend geringer eingestuft. Die Beiträge sind dementsprechend niedriger.
  • Hobbys: Riskante Hobbys, beispielsweise Fallschirmspringen oder Tauchen, können den Beitrag erhöhen.
  • Vertragslaufzeit: Das Vertragsende sollte nicht vor dem Eintritt ins Rentenalter liegen. Denn mit dem Alter steigt das Risiko, berufsunfähig zu werden.

Anhand der verschiedenen Faktoren werden mit jedem Antrag zur Berufsunfähigkeitsversicherung die Kosten anhand eines individuellen Risikos festgelegt. Besonders günstig sind die Beiträge für junge und gesunde Menschen. Je älter Versicherte bei Vertragsabschluss sind und je mehr Vorerkrankungen sie bereits haben, desto höher sind die Beiträge. Doch jedes Versicherungsunternehmen kann die Kriterien selbst festlegen. Dadurch werden gesundheitliche Voraussetzungen und Risiken anders bewertet und wirken sich unterschiedlich auf die zu zahlende Prämie aus. Je nach ermitteltem Risikofaktor werden die Beiträge festgelegt, Risikoaufschläge erhoben, Leistungsausschlüsse festgelegt oder der Antragsteller wird gänzlich abgelehnt.

Berufsunfähigkeitsversicherung mit Rente

Die Leistungen bei Berufsunfähigkeit werden in Form einer monatlichen Rente ausbezahlt. Der Betrag wird vorab genau festgelegt und soll die laufenden Kosten decken, beispielsweise Miete, Lebensunterhaltskosten und Darlehensbeträge. Dementsprechend wichtig ist es, den Betrag vorab genau zu berechnen. Mit den vereinbarten Leistungen sollte der Versicherte oberhalb der Grundsicherung liegen und in der Lage sein, den gewohnten Lebensstandard zu erhalten.

Wird eine Dynamik vereinbart, passen sich Beitrag und Leistungen an die zu erwartenden Einkommenssteigerungen und die Inflation an. Zudem ist es möglich, die Beitragszahlungen in die Leistungen zu integrieren. Damit muss der Versicherte bei Berufsunfähigkeit nicht selbst für die Versicherungsprämie aufkommen. Denn die Versicherungsprämie fällt während der gesamten Vertragsdauer und damit auch im Leistungsfall an. Um das zu umgehen, bieten einige Versicherer eine sogenannte selbstständige Berufsunfähigkeitsversicherung an. Dabei werden mit der Rente auch die Beiträge vom Versicherer übernommen. Ansonsten müssten sie separat weitergezahlt werden. Zusätzlich ist es je nach Tarif möglich, Beitragsstundungen bei Leistungsprüfung zu erhalten. Damit muss der Versicherte während der Dauer der Prüfung zunächst keine Beiträge leisten. Das kann in dieser Phase zu einer erheblichen finanziellen Entlastung beitragen.

Worauf ist bei Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung zu achten?

Der Leistungsumfang und die Vertragsbedingungen unterscheiden sich je nach Anbieter und Tarif teils erheblich. Die Versicherer legen in ihren Bedingungen den Zeitpunkt der Zahlung, die Voraussetzungen und andere Details selbst fest. Dazu zählen auch Vereinbarungen, ob die Rente noch rückwirkend gezahlt wird. Bei verspäteter Meldungen kann sich das auf einen Zeitraum von drei Jahren und mehr erstrecken.

Grundlage für den Versicherungsschutz sind stets die Angaben des Versicherten. Enthalten diese Fehler oder wurden Vorerkrankungen nicht aufgeführt, kann das dazu führen, dass der Versicherte bei Berufsunfähigkeit keine Leistungen erhält und der Vertrag gekündigt wird oder die Beiträge nachträglich angehoben werden. Die Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht kann auch dann dazu führen, dass der Versicherer vom Vertrag zurücktritt, wenn die Beiträge bereits über viele Jahre geleistet wurden. Das lässt sich vermeiden, indem im Vertrag darauf hingewiesen wird, dass Vorerkrankungen, die ohne Verschulden des Versicherten nicht angegeben wurden, nicht zu einer Kündigung oder Beitragserhöhung führen. Diese Regelung schützt allerdings nicht bei absichtlichem Verschweigen von Risikofaktoren.

Durch einen abstrakten Verweisungsverzicht ist es möglich, dass der Versicherer darauf verzichtet zu prüfen, ob der Versicherte noch andere Tätigkeiten ausüben kann. Damit ist es möglich auszuschließen, dass beispielsweise Handwerker bei Berufsunfähigkeit in ihrem Beruf zu einer Bürotätigkeit verpflichtet werden.

Zusammenfassung

  • Mit einer Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten Arbeitnehmer, Freiberufler und Selbstständige die Möglichkeit, ihr Einkommen bei Berufsunfähigkeit abzusichern.
  • Die Beitragshöhe richtet sich nach dem individuellen Risiko. Je jünger und gesünder der Antragsteller ist, desto geringer fällt in der Regel die Beitragshöhe aus.
  • Die Leistungen aus der Versicherung werden in Form einer monatlichen Rente ausbezahlt.
  • Eine Berufsunfähigkeitsversicherung mit Rente sollte die zu erwartenden Ausgaben decken und das Einkommen zu einem großen Teil ersetzen.
  • Angaben zu Vorerkrankungen und Risikofaktoren sollten stets vollständig und wahrheitsgemäß erfolgen. Ansonsten besteht die Gefahr, bei eingetretener Berufsunfähigkeit keine Leistungen zu erhalten.
  • Eine dynamische Versicherung berücksichtigt Steigerungen der Kaufkraft und des Einkommens.
  • Ein abstrakter Verweisungsverzicht schützt Versicherte davor, dass sie sich nach einem anderen Berufsfeld umsehen müssen.