Bei dem Aktienhandel an der Börse wird zwischen Bullenmarkt und Bärenmarkt unterschieden. Eine andere Definition für den Bullenmarkt ist Hausse. Befindet sich der Aktienmarkt in einer Hausse, steigen die Aktienkurse an. Die Hausse kann den kompletten Wertpapierhandel einer Region betreffen. Es ist aber auch möglich, dass die Aktienkurse nur innerhalb einer Branche ansteigen, während die anderen Kurse den normalen Schwankungen des Aktienmarktes unterliegen. Eine Hausse weckt bei den Kapitalanlegern die Hoffnung auf zukünftige Gewinne. Umso länger die Kurse ansteigen, umso höher ist die Erwartungshaltung der Investoren.

Von einer Hausse an der Wertpapierbörse ist die Rede, wenn ein wirtschaftlicher Aufschwung zur Hochkonjunktur führt. In besonders guten wirtschaftlichen Zeiten herrscht auf dem Aktienmarkt ein Boom. Die Börse wird in dieser Zeit als bullisch bezeichnet.

Die Hausse wird dadurch begünstigt, dass zuletzt die Aktienkäufer aktiv werden, die sich zunächst zurückgehalten haben. Hierdurch kann sich der Bullenmarkt über eine längere Zeit auf einem hohen Niveau halten.

Der Bärenmarkt wird per Definition als Baisse bezeichnet. Auch die Baisse findet ihre Bedeutung in dem Handel von Wertpapieren. Bei einer Baisse sinken die Kurse an der Börse für einzelne Marktbereiche oder den gesamten Aktienmarkt immer weiter nach unten, weil die Geldanleger das Vertrauen in die Aktien verloren haben. Die Kursrückschläge sind auf überdurchschnittlich hohe Kursrückgänge zurückzuführen. Der Anleger spricht in dieser Phase von einer Börse, die bärisch ist. Am extremsten ist eine Baisse, die in einem Börsencrash endet.

Warum wurden der Bär und der Bulle ausgewählt?

Bär und Bulle wurden deshalb für das Auf und Ab der der Aktienkurse an einer Börse ausgewählt, weil die Trends am Aktienmarkt mit dem Verhalten der Tiere vergleichbar sind. Ist die Börse bullisch, gehen die Aktienkurse sprunghaft von unten nach oben. Ebenso macht es ein Bulle, wenn er seinen Gegner angreift. Seine Hörner stoßen von unten nach oben zu und wirbeln den Angreifer in die Höhe.

Das Verhalten des Bären ist genau umgekehrt. Muss er sich gegen einen Feind zur Wehr setzen, schlägt er mit seiner Tatze von oben nach unten. Ist der Aktienmarkt bärisch, gehen auch die Kurse von oben nach unten.

Die Aufnahme von Bulle und Bär in den Börsenjargon beruht auf der Theorie, dass sich im 17. Jahrhundert Bulle und Bär in der Nähe des Börsenmarktplatzes in London viele Schaukämpfe geliefert haben sollen. Aus dem Kampfverhalten der beiden Kontrahenten wurde für den Handel mit Wertpapieren der Schluss gezogen, dass Bären die Aktienkurse mit ihren Tatzen nach unten prügeln und Bullen sie mit ihren Hörnern wieder nach oben hieven.

Die Grenze zur Baisse ist dann erreicht, wenn die Kurse des gesamten Marktes oder einer bestimmten Branche um mehr als 20% eingebrochen sind. Beim Bullenmarkt sind die Werte bis zu mehr als 20% gestiegen.

Was ist eine Bärenmarktrally und wie entwickelt sie sich?

Bärenmarktrally ist ein feststehender Begriff auf allen Aktienmärkten. Eine Bärenmarktrally beschreibt den Zustand einer starken Kurserholung, der eine Abwärtsbewegung aus dem Bärenmarkt vorausging. Der Aufwärtstrend der Aktien mündet dabei nicht zwingend in einem Bullenmarkt. Auch eine kurzfristige Erholung der Kurse leitet eine Bärenmarktrally ein. Oft ist es sogar so, dass der Kurs schnell wieder abflaut und sich auf einem normalen Niveau bewegt.

Welches sind die Kennzeichen einer Bullenfalle und einer Bärenfalle?

Eine Bärenmarktrally ist häufig der Auslöser dafür, dass Geldanleger in eine Bullenfalle tappen. Sie beobachten den Aktienmarkt. Solange die Kurse sinken oder sich in der Nähe des Ausgabepreises der Aktie bewegen, bleiben sie untätig. Steigen die Kurse dann plötzlich an, interpretieren sie dies als Trendwende und kaufen kräftig Aktien an. Bei dem Handeln wird aber nicht bedacht, dass die Erholungsphase nur von kurzer Dauer ist. Sinken die Aktienkurse plötzlich wieder, schnappt die Falle zu, sobald der Kurs den Wert des Kaufpreises der Aktie unterschreitet.

Eine Bärenfalle setzt voraus, dass ein Anleger mit dem Aktienhandel Geld machen möchte, indem er auf fallende Aktienkurse setzt. Die Kaufempfehlung ist in diesem Fall ein Signal, das der Anleger falsch deutet. Das Sinken der Aktien hält nicht lange an. Nach dem kurzen Kursverfall erholt sich der Markt und die Kurse steigen wieder. Für den Anleger kann das Fehlsignal teure Folgen haben.

Wie lange können Bullenmärkte und Bärenmärkte andauern?

Eine langanhaltende Baisse kennzeichnet sich durch stetige Kursrückgänge. Ein Bärenmarkt beginnt in der Regel damit, dass es den börsennotierten Unternehmen eines Landes oder einer Branche wirtschaftlich immer schlechter geht. Jede negative Information, die von der Etage der Unternehmensführung an die Öffentlichkeit dringt, kann dazu beitragen, dass sich der Abwärtstrend auch auf dem Börsenplatz immer weiter nach unten entwickelt. Sinken die Kurse über 20% befinden sich der Markt in einer Baisse. Die Zeitdauer eines Bärenmarktes lässt sich schlecht einschätzen. Das Aktientief kann sich über Wochen, Monate und auch Jahre weiter fortsetzen. Anfang der 2000er Jahre hat es in Japan einen Bärenmarkt gegeben, der über 13 Jahre lang die Aktien auf einem niedrigen Stand hielt. Der berühmteste Bärenmarkt fand am schwarzen Freitag 1929 in New York statt. Der Kursverfall leitete damals eine mehrjährige Weltwirtschaftskrise ein. Sowohl die Unternehmen als auch die Anleger waren vor einem finanziellen Totalverlust nicht geschützt.

Der Zeitraum für einen Bullenmarkt lässt sich typischerweise in drei Phasen einteilen. Der Beginn wird mit der ersten Phase eingeleitet. Die Unternehmen, die die Aktien ausgegeben haben, können steigende Gewinne verzeichnen. Dies ist aber nur ein Indiz, das an dem Börsenmarkt eine Art Initialzündung auslöst. Ein anderer Beleg, der dazu dient, den Aktienmarkt zu beleben, könnte die Fusion zweier Aktiengesellschaften sein. Sobald die Anleger davon erfahren, möchten sie ebenfalls von diesem positiven Effekt profitieren und kaufen Aktien.

In der zweiten Phase steigen die Kurse mit jedem weiteren Kauf an. Die Hausse entwickelt sich stetig weiter. Bestenfalls hält sie sich für Wochen oder Monate auf dem hohen Niveau.

Das Einläuten der Endphase kann an mehreren Anzeichen festgemacht werden. Sinkende Unternehmensgewinne machen sich auf dem Aktienmarkt zunächst nicht bemerkbar. Im Gegenteil, die Kurse steigen sogar noch eine Zeit lang weiter. Doch umso länger es dauert, dass ein Unternehmen sich wirtschaftlich wieder regeneriert, umso beunruhigter werden die Anleger. Schließlich nehmen viele ihre Kapitalanteile aus der Firma. Ist dieser Trend nicht zu stoppen, geht es von einem Bullenmarkt direkt in den Bärenmarkt über.

Zusammenfassung

  • Der Aktienhandel wird vom Bullenmarkt und vom Bärenmarkt beherrscht.
  • Den Bullenmarkt bezeichnet man als Hausse. Ist der Aktienmarkt bärisch, wird er als Baisse definiert.
  • Die Hausse steht für einen Aufschwung am Aktienmarkt. Bei einer Baisse müssen die Aktionäre extreme Kursrückgänge einstecken.
  • Bär und Bulle wurden für das Auf und Ab am Aktienmarkt gewählt, weil das Verhalten der Tiere auf den Handel übertragen werden kann.
  • Ein Bulle stößt mit seinen Hörnern von unten nach oben zu. Sinnbildlich steht dies für Aktienkurse, die von unten nach oben gehen.
  • Ein Bär haut mit seiner Tatze von oben nach unten. Auf einem bärischen Aktienmarkt nimmt der Kurs der Aktien denselben Verlauf.
  • Besonders eng wird der Zusammenhang zwischen Hausse und Baisse bei einer Bärenmarktrally. Die Kurse bewegen sich auf einem sehr niedrigen Niveau und steigen in die Höhe.
  • Die Aktienkurse bleiben jedoch nicht zwingend für einen längeren Zeitraum oben. Oft ist es sogar so, dass auf eine kurze Erholung ein Absturz folgt.
  • Für einen Aktionär sind eine Bullenfalle und eine Bärenfalle trügerisch.