Definition: Binäre Optionen

Bei einer binären Option handelt es sich um ein Finanzderivat. Binäre Optionen zählen zu den exotischen Finanzinstrumenten und gehören zur Kategorie der Termingeschäfte. Als spekulative Investmentform weisen binäre Optionen viele Gemeinsamkeiten mit klassischen Optionen auf, während sie sich andererseits in wesentlichen Punkten von regulären Optionen unterscheiden. In den Jahren von 2008 bis 2018 stand diese Optionsspielart auch privaten Anlegern zur Verfügung. Inzwischen ist das Handeln mit binären Optionen jedoch professionellen Investoren vorbehalten.

Im Derivatehandel wird auf einen Kursanstieg oder einen Kursabfall spekuliert. Im Falle einer richtigen Entscheidung kann mit einem Gewinn gerechnet werden. Fehlentscheidungen haben hingegen den Verlust des gesamten Einsatzes zur Folge. Beim Handeln von binären Optionen wird zwischen verschiedene Handelsarten unterschieden. Das Funktionsprinzip ist bei allen Handelsformen einfach und auch für Börsenlaien leicht zu verstehen.

Welches Prinzip steht hinter dem Handel mit binären Optionen?

Binäre Optionen zu handeln wird häufig aufgrund der möglichen hohen Gewinne, die zwischen 70 und 500 Prozent betragen können, in Erwägung gezogen. Dabei bestehen zwei Möglichkeiten: entweder tritt das zuvor prognostizierte Ereignis ein oder nicht. Bei Nichteintreten des Ereignisses ist der Einsatz verloren. Abhängig vom jeweiligen Broker für binäre Optionen, über den der Handel abgewickelt wurde, kann mit einer geringen Verlustrückerstattung, die jedoch höchstens 15 Prozent beträgt, gerechnet werden. Im positiven Fall, wenn sich die Handelsstrategie als richtig erweist, besteht die Möglichkeit, das eingesetzte Kapital durch die Gewinnsumme zu vermehren. Ob eine Prognose jedoch eintrifft oder nicht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Der Binär­op­tions­handel setzt deshalb eine hohe Risikobereitschaft voraus. Der Begriff „Binäre Option“, der vom lateinischen Distributiv-Zahlwort „bini“ (übersetzt: zwei oder je zwei) abgeleitet wird, weist bereits auf den Charakter dieser Handelsform hin.

Basiswerte für die binäre Option

Eine binäre Option hat selbst keinen eigentlichen Wert. Das Finanzinstrument spiegelt die Wertentwicklung bestimmter Basiswerte wieder. Zu diesen Werten gehören Finanzprodukte wie:

  • Aktien
  • Anleihen (Zinssätze)
  • ETFs
  • Indizes
  • Rohstoffe
  • Währungen

In der Praxis ist es üblich, verschiedene Basiswerte zu kombinieren, um die Wahrscheinlichkeit, Gewinne zu erzielen, zu optimieren. Da sich Währungspaare wie USD/EUR oft so ähnlich wie der DAX oder der Dow Jones entwickeln, werden beim Handel mit binären Optionen oft mehrere Positionen eröffnet. Im Binär­op­tions­handel wird eine Vielzahl von Assetklassen verwendet, die sich hinsichtlich ihrer Volatilität voneinander unterscheiden. Während die Rohstoffmärkte als äußerst schwankungsanfällig gelten, können sich Aktien großer Konzerne auch kurzfristig stabil entwickeln.

Vorteile und Nachteile beim Handel mit binären Optionen

Beim Handeln von binären Optionen sind verschiedene Aspekte zu berücksichtigen. Vorteile und Nachteile ergeben sich vor allem durch das hohe Verlustrisiko, dem allerdings hohe Gewinnchancen gegenüberstehen. Zu den Vorteilen des Binär­op­tions­handels zählen:

  • hohe Skalierbarkeit
  • geringe Kapitaleinsätze
  • keine direkten Handelskosten.

Das größte Risiko beim Handeln mit Optionen besteht im Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Beim Optionshandel wird deshalb hauptsächlich Kapital eingesetzt, das nicht für den normalen Lebensunterhalt benötigt wird. Binäre Optionen sind in erster Linie Spekulationsobjekte, die kaum zum langfristigen und gleichmäßigen Vermögensaufbau geeignet sind.

Wie läuft der Handel mit binären Optionen ab?

Als Handelspartner dienen meist spezielle Broker für binäre Optionen, die innovative Finanzprodukte auf ihren Plattformen anbieten. Dabei bestehen verschiedene Alternativen, wie die

  • Call-Option
  • Put-Option

um Termingeschäfte zu tätigen. Abhängig vom gewählten Broker für binäre Optionen können erzielbare Renditen bei circa 70 bis 95 Prozent liegen. Handelsvarianten wie die One-Touch-Option werden von einigen Binäroptionsbrokern im High-Yield-Modus angeboten. Die One-Touch-Option unterscheidet sich von der Call- oder Put-Option dadurch, dass Entscheidung bei dieser Optionsart mit nur einem Klick getroffen werden, sodass teilweise Renditen von bis zu 1.000 Prozent möglich sind. Gehandelt werden binäre Optionen meist tagesaktuell auf speziellen Handelsplattformen.

Call-Option

Die Call-Option ist eine Kaufoption, die den Käufer dazu berechtigt, einen bestimmten Basiswert zum vorher festgelegten Ausübungspreis zu erwerben. Bei der Call-Option wird zwischen der europäischen und amerikanischen Optionsweise unterschieden. Während europäische Call-Optionen nur zum Ende der jeweiligen Laufzeit-Option ausgeführt werden dürfen, können amerikanische Optionen während der gesamten Laufzeit durchgeführt werden. Theoretisch bestehen bei einer Call-Option unbegrenzte Gewinnmöglichkeiten. Je größer die Wertsteigerungen eines Basiswertes sind, desto höher fällt der Gewinn aus. Gleichzeitig muss vom Verkäufer ein unbegrenztes Verlustrisiko getragen werden. Das Gegenstück zur Call-Option ist die Put-Option, wobei beide Optionsgeschäfte in vielfältiger Weise miteinander vernetzt werden können.

Put-Option

Bei der Put-Option handelt es sich um eine Verkaufsoption, bei der ein Käufer das Recht erwirbt, bestimmte Bezugswerte innerhalb des zuvor festgelegten Zeitraums zum vereinbarten Basispreis zu verkaufen. Im Gegensatz zur Call-Variante muss der Vertrag bei der Put-Option nicht erfüllt werden. Falls es zum Verkauf des Handelswertes kommt, wird eine Prämie ausbezahlt, die in ihrer Höhe meist über den üblichen Erträgen vergleichbarer Anlageformen am Kapitalmarkt liegt. Da bei einer Put-Option mit fallenden Kursen gerechnet wird, bestehen bei dieser Handelsform Chancen auf überproportionale Gewinne.

Währungs- oder Devisenoption

Währungs- oder Devisenoptionen werden zu ähnlichen Bedingungen wie die Call- und Put‑Optionen gehandelt. Dabei wird dem Handelnden das Recht eingeräumt, am Ende oder während eines genau definierten Zeitraumes eine bestimmte Menge Devisen zu erwerben. Der Preis dafür wird ebenfalls im Voraus festgelegt. Währungsoptionen sind bedingte Termingeschäfte. Für das Optionsrecht erhält der Verkäufer eine Optionsprämie, unabhängig davon, ob es später tatsächlich zur Optionsausübung kommt oder nicht.

Indexoption

Eine Indexoption bezieht sich auf einen bestimmten Indexwert. Dabei kann es sich um einen

  • Aktienindex
  • Branchenindex
  • Rohstoffindex

handeln. Dem Indexhandel liegt allerdings kein tatsächliches Handelsgut zugrunde, sodass über eine Geldtransaktion abgerechnet wird.

Warenoption

Die Warenoption stellt einen Vertrag dar, bei dem das Recht erworben wird, zu einem zuvor bestimmten Zeitpunkt bestimmte Waren zu liefern oder zu beziehen. Eine tatsächliche Transaktion von Waren findet bei dieser Optionsform allerdings nicht statt. Zu den besonderen Merkmalen einer Warenoption zählt das Verfallsdatum. Nach Ablauf eines bestimmten Zeitpunktes kann der Basiswert nicht mehr zum vereinbarten Preis gekauft oder verkauft werden.

Binäre Optionen als Handelsform

Obwohl binäre Optionen als Handelsform nicht neu sind, werden diese an den Börsen erst seit dem Jahr 2008 gehandelt. Zuvor war lediglich ein außerbörslicher Handel, der meist über spezielle Broker für binäre Optionen auf nicht regulierten Plattformen abgewickelt wurde, möglich. Die klassische Variante, um mit dem Optionshandel Geld zu verdienen, sind die Call- und Put-Optionen. Meist können die Höhe des Einsatzes sowie die Laufzeit vom Anleger individuell festgelegt werden. Grundsätzlich wird bei binären Optionen nur einer von zwei Zuständen angenommen, entweder

  • im Geld (Gewinn)
  • aus dem Geld (Verlust).

In der Fachsprache werden diese beiden Alternativen auch als Cash-or-Nothing bezeichnet. Dabei ist die Kursentwicklung des Basiswertes während der Laufzeit unerheblich. Wichtig für den Erfolg beim Binär­op­tions­handel ist der aktuelle Kurs am Ende der Laufzeit. Neben den klassischen Varianten gibt es inzwischen zahlreiche weitere Handelsarten, wie die

  • Turbo-Optionen (60-Sekunden-Optionen)
  • One-Touch-Optionen.

Turbo-Optionen besitzen eine Gesamtlaufzeit von nur einer Minute und sind ebenso anspruchsvoll zu handeln wie die One-Touch-Optionen. Bei der One-Touch-Variante werden Prognosen darauf abgegeben, ob der Kurs des Basiswertes während der gesamten Laufzeit einen festgelegten Zielkurs berühren (touchieren) wird oder nicht. Weitere Handelsvarianten, die im Rahmen des Binär­op­tions­handels vorkommen und von den klassischen Varianten abweichen, sind:

  • Range- und Ladder-Optionen
  • Pair-Trading.

Binäre Optionen und CFDs – Ähnlichkeiten und Unterschiede

Binäre Optionen und CFDs sind Finanzinstrumente, die sich in vielerlei Hinsicht ähneln, aber auch einige Unterschiede aufweisen. Beide sind Derivate, sodass verschiedene Handelsmöglichkeiten bestehen, ohne den Basiswert zu besitzen. Für binäre Optionen sowie für CFDs gelten kurze Handelsperioden, die zwischen einer Minute, einigen Stunden und einer Woche liegen können. Die richtige Prognose bei der Kursentwicklung ist bei beiden Handelsarten von wesentlicher Bedeutung, da es bei diesen Trading-Instrumenten darum geht, zuverlässige Vorhersagen über die Marktpreise von Basiswerten zu treffen. Verglichen mit dem CFD-Trading besitzt der Binäroptionshandel den Vorteil, dass mögliche Gewinne und Verlust im Vorhinein feststehen. Außerdem kann der Verlust bei binären Optionen anders als beim CFD-Handel nicht über das eingesetzte Kapital hinausgehen.

Der Binäroptionshandel in Deutschland

In Deutschland sind die Vermarktung, der Verkauf und der Vertrieb binärer Optionen an Privatkunden seit 2018 nicht mehr erlaubt. Als Gründe für dieses Verbot führt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) die mit dem Handel verbundenen Risiken, Anlegerschutzbedenken sowie mangelnde Transparenz an. Institutionellen Investoren ist der Binäroptionshandel jedoch nach wie vor gestattet. Aufgrund extrem kurzer Laufzeiten besteht grundsätzlich ein gewisses Risiko, das Rendite-Profil richtig abzuschätzen. Als innovative Handelsinstrumente wurden binäre Optionen bereits im Jahr 2008 eingeführt. Private Trader aus Ländern der Europäischen Union haben verschiedene Möglichkeiten, um auf dieses Verbot zu reagieren.

Zusammenfassung

  • Binäre Optionen sind Finanzderivate, die zur Kategorie der Termingeschäfte gehören
  • Im Binäroptionshandel wird auf einen Kursanstieg oder einen Kursabfall spekuliert
  • Bei richtigen Entscheidungen können Gewinne zwischen 70 und 500 Prozent erzielt werden
  • Im ungünstigen Fall muss mit dem Gesamtverlust des eingesetzten Kapitals gerechnet werden
  • Call-Option und Put-Option sind die beiden wichtigsten Varianten beim Handel mit binären Optionen
  • Die Optionslaufzeiten betragen zwischen 30 Sekunden und einem Jahr
  • Privatanleger sind seit dem Jahr 2018 vom Handel mit binären Optionen ausgeschlossen
  • Beim Binäroptionshandel wird auf Kursanstiege oder Kursabfälle spekuliert
  • Als Spe­kula­tions­ge­schäfte ber­gen binäre Optionen ein hohes Risiko
  • Binäre Optionen werden an der Börse bereits seit dem Jahr 2008 gehandelt
  • Bei binären Optionen gibt es nur zwei Szenarien: Gewinn oder Verlust
  • Für einen Gewinn ist die richtige Prognose bei der Kursentwicklung von Basiswerten von wesentlicher Bedeutung